Jāvidnāmān – Gedenken
Dokumentation der Getöteten bei Protesten: Namen, Umstände, Hintergründe
Dokumentierte Fälle
Jina Mahsa Amini
Am 13. September 2022 in Teheran von der Sittenpolizei wegen angeblich unangemessenen Hidschabs festgenommen. Sie kollabierte im Gewahrsam und starb drei Tage später. Die UN-Fact-Finding-Mission stellte fest, dass ihr Tod unrechtmäßig und durch physische Gewalt verursacht wurde, für die der Staat verantwortlich ist.
Quelle: UN-Fact-Finding-Mission (2024); Iran Human Rights.
Nika Shakarami
Sie verschwand am 20. September 2022 während der Proteste in Teheran und wurde Tage später tot aufgefunden. Ihr Totenschein nennt wiederholte Schläge mit einem stumpfen Gegenstand als Todesursache. Die Behörden verbreiteten widersprüchliche Darstellungen; das UN-Menschenrechtsbüro erhielt Berichte, wonach die Familie zu einem TV-Interview gedrängt wurde.
Quelle: CNN, Washington Post (2022); UN-Menschenrechtsbüro.
Neda Agha-Soltan
Sie wurde am 20. Juni 2009 während der Proteste gegen das Ergebnis der Präsidentschaftswahl in Teheran aus nächster Nähe in die Brust geschossen und starb innerhalb weniger Minuten. Augenzeugen zufolge feuerte ein Angehöriger der Basij-Miliz. Ein am Tatort gefertigtes Video ihres Todes verbreitete sich weltweit und machte sie zu einem Symbol der Proteste von 2009. Die iranischen Behörden bestritten eine Verantwortung und verbreiteten widersprüchliche Erklärungen.
Quelle: Amnesty International (2010); BBC; Reuters (2009).
Majidreza Rahnavard
Rahnavard wurde beschuldigt, am 17. November 2022 in Maschhad zwei Angehörige der Basij-Miliz erstochen zu haben, und wegen „Moharebeh" (Kriegführung gegen Gott) zum Tode verurteilt. Sein einziger Gerichtstermin fand am 29. November 2022 statt; ihm wurde kein frei gewählter Anwalt gestattet, und Menschenrechtsorganisationen berichteten von Anzeichen für Folter. Am 12. Dezember 2022 wurde er öffentlich mittels eines Krans gehängt – die erste öffentliche Hinrichtung im Zusammenhang mit den JINA-Protesten.
Quelle: Amnesty International (2022); Reuters, BBC (2022).
Sarina Esmailzadeh
Sarina Esmailzadeh starb am 23. September 2022 in Karadsch, nachdem Sicherheitskräfte sie während der Proteste nach dem Tod von Jina Mahsa Amini wiederholt mit Schlagstöcken auf den Kopf geschlagen hatten. Sie war durch ihre YouTube-Videos über Alltag und Popkultur bekannt. Die örtliche Justizbehörde bestritt jede Verantwortung und erklärte, sie sei von einem Dach gestürzt. Die Familie durfte den Leichnam nicht sehen; er wurde eingehüllt zur sofortigen Bestattung gebracht, begleitet von einer starken Präsenz von Sicherheits- und Geheimdienstkräften bei der Trauerfeier.
Quelle: Amnesty International; Iran Human Rights; ITV News (2022).
Kian Pirfalak
Der neunjährige Kian Pirfalak wurde am 16. November 2022 im Auto seiner Eltern erschossen, als Sicherheitskräfte in Zivil während der Proteste in Izeh (Provinz Chuzestan) das Feuer auf das Fahrzeug eröffneten. Sein Vater wurde bei demselben Angriff schwer verletzt. Amnesty International dokumentierte den Vorfall; staatliche Stellen behaupteten zunächst, „terroristische Kräfte" seien verantwortlich, und verbreiteten ein Bekennerschreiben, das eine BBC-Monitoring-Untersuchung als Fälschung einstufte. Kians Mutter widersprach der offiziellen Darstellung öffentlich bei der Beerdigung. Sein Tod löste landesweite Proteste aus; er gilt als eines der jüngsten Todesopfer der Niederschlagung der JINA-Proteste. Bei einer Gedenkfeier an seinem Grab am 11. Juni 2023 wurde ein Verwandter der Familie von Sicherheitskräften erschossen.
Quelle: Amnesty International (2022); BBC; The Guardian; Washington Post.